Motorrad

„Bumsen ist sowieso keine Arbeit“

„Blumenstrauß der Wildnis“ heißt das unverkäufliche Kunstwerk links im Bild.

Lorenz Kuntner ist weltberühmt. Naja, wenigstens im Vinschgau ist er weltberühmt und ganz gewiss in Prad am Stilfser Joch und es ist fast schon ein Vergehen, einfach so an seiner Kunst vorbeizukesseln auf dem Weg zu den berühmten 48 Serpentinen. Durch Prad führte der Weg vom Ofenpass, durch St. Maria im Münstertal und Spondinig auf den 2758 Meter hohen Pass, für dessen Befahrung ab 2013 Maut verlangt werden soll. Am Ortsausgang von Prad in Richtung Pass grüßten plötzlich Totempfähle – oder so etwas ähnliches. Unzähllige Steine schauen den Motorradfahrern zu, die nach oben zum Joch denkenln, eigenartige Gebilde aus Holz, Draht und tierischen Überresten stehen gleich neben der Straße. Es ist das Reich von Lorenz Kuntner, dem „Indianer“. Links der Straße wohnt er, rechts davon am Suldenbach befindet sich sein Freilichtmuseum, das zugleich Gemüsegarten und Arbeitsplatz ist.

Kuntner bemalt Steine, baut zum Teil verstörende Objekte aus Fundstücken, die er ständig sammelt. Steine, Holzstücke, Knochen, Geweihe, Federn, ganze Vogelfüße und Läufe von Wildtieren. Er nennt das Kunst und führt die Arbeiten gern selbst vor. Einen Euro verlangt der Künstler für eine Ganzjahresfotoerlaubnis und die gibt man ihm gern. Dafür darf man sein „Museum“ und den Hof vorm Haus genau inspizieren und fotografieren. Beim Besuch des Unkorrekt-Bloggers bemalte er nur ein Schild – „Zimmer zu vermieten“ stand darauf. Man kann bei den Kuntners also auch übernachten… „Das ist keine Arbeit“, kommentierte „der Indianer“ seine Malerei auf dem Schild, „Liebe ist auch keine Arbeit“, fügte er noch hinzu. Und ganz selbstverständlich stellte er fest: „Bumsen ist sowieso keine Arbeit, obwohl es anstrengend ist“.

Lorenz Kuntner ist in Prad als „der Indianer“ bekannt.

Um die Erfahrung solcher Weisheiten reicher und mit dem festen Entschluss, beim nächsten Besuch wieder Halt zu machen beim Indianer von Prad, ging es hoch zum Stilfser Joch. Nach der obligatorischen Gedenkpause auf 2758 Metern Meereshöhe angesichts der grandiosen Aussicht und der ebenso grandiosen eigenen motorradfahrerischen Leistung, mit der Dragstar manchen Endurotreiber überholt zu haben, ging es weiter in Richtung Dolomiten. Auf dem Weeg dorthin wurde der Gavia-Pass genommen. Er gehört mit mehr als 2600 Metern höhe ebenfalls zu den besonders hohen Alpenpässen, ist aber nur wenig befahren. Eine zum Teil sehr schmale und recht schlechte Straße führt über den Pass, schön zu fahren und ein tolles Erlebnis ist er dennoch – vielleicht auch gerade deshalb.

Die Schafe machten der Dragstar am Gavia-Pass nur widerwillig Platz.

Ponte di Legno , der nicht erwähnenswerte Passo del Tonale und der ebenso unspektakuläre Passo Campo Carlo Magno waren die nächsten Ansteuerungspunkte, bevor Madonna di Campiglio erreicht wurde, einer der bekanntesten Wintersportorte schlechthin. Das Wetter wurde schlechter, der auch im Sommer spürbare Tourismusboom in dem ehemals kleinen Bergdorf wirkte abschreckend, also ging die Fahrt zügig weiter – nun direkt hinunter zum Gardasee. In Riva verzogen sich die Gewitterwolken. Sie hatten ein Chaos hinterlassen, denn es hatte kräftig gehalgelt. Die Straßen waren voller (Pinien)Nadeln, auf einem tiefer liegenden Parkplatz standen drei Autos wie in einem kleinen See, an den Straßenrändern lagen bergeweise Hagelkörner. Und mit der wiederkehrenden Sonne belebten auch die Touristen wieder die Straßen.

Rund 20 Kilometer weiter südlich befindet sich am Ostufer des Sees der kleine Ort Brenzone. Hier darf sich das Motorrad nun erholen…

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