Motorrad

Fuck for Tiehjuhwieh

Ein Gerippe und eine leblose Frau in einer Rostlaube – Schocktherapie in den Everglades.

Everglades City (cs). „What is Tiehjuhwieh?“ Das hat mich heute eine Gemüseverkäuferin gefragt, bei der ich am Straßenrand frische Tomaten, eine Gurke und Paprika gekauft habe. Tiehjuhwieh??? „The first words i can understand“, lachte sie, „but what is Tiehjuhwieh?“ Es dauerte ein paar Sekunden, bis der Groschen fiel.. Die Gemüseverkäuferin interessierte sich für einen Aufnäher auf meiner Weste. Ich erzählte ihr von einer nicht sonderlich beliebten Institution, die schon manchem Motorradfahrer Ärger bereitet hat. Das verstand sie gut und „Fuck for TÜV“ fand sie dann auch ganz richtig.

Regen wollte ich – und bitte nicht zu knapp. Endlich mal wieder im Regen Motorrad fahren. Heute wurde dieser Wunsch erfüllt. Vom wirklich top gelegenen Motel Key Colony Beach ging es zunächst nach Norden und dann nach Westen. Der Tamiami Trail war die Route der Wahl, eine ebenso einsame wie beeindruckende Straße mitten durch die Everglades. Viele Brücken sorgen dafür, dass der Wasserstrom durch das Sumpfgebiet, das zwei Mal so groß wie Luxemburg ist, durch den Damm, auf dem die Straße verläuft, nicht unterbunden wird. Denn dieser konstante und zugleich gigantische Wasserstrom ist die Basis für die Existenz des zum Teil undurchdringlichen Sumpfgebiets – der Heimat von vielen exotischen Tieren, auch von Krokodilen.

Die Eagle-Rider-Harley war heute fast zu Hause. Nicht mehr als fünf Kilometer entfernt dürfte die Vermietung gewesen sein, als die Fahrtrichtung gegen Mittag von Nord auf West wechselte. Der Tamiami Trail beginnt mitten in Miami – vom Highway US 1 ging es sozusagen fast direkt auf die West-Route mit der Nummer 41. Fast direkt, denn der angekündigte Regen erwischte mich erstmals mitten in Miami. Und es war ein so heftiges (warmes) Gewitter, dass an eine Weiterfahrt nicht zu denken war. Unter dem Dach einer Tankstelle wartete ich den Regen ab – es dauerte wohl etwa eine halbe Stunde, bis ich weiterfahren konnte.

Es hat nicht geregnet, es hat geschüttet. Eine halbe Stunde lang und mit Blitz und Donner.

Etwa nach halber Stecke auf dem Tamiami Trail erwischte mich der Regen wieder. Inzwischen hatte ich  beschlossen, nicht mit einem Airboot zu fahren. Die propellergetriebenen flachen Schiffe, mit denen durch die Everglades gefahren werden kann, sind so laut, dass ohnehin alles Lebendige schnell das Weite sucht. Und die Fahrgäste ertragen das auch nur mit Ohrschützern. Dafür bin ich auf einer kleinen, einsamen Straße bis tief ins Sumpfgebiet gefahren – wenigstens 10 Meilen weit hinein ins Niemandsland. Dass die Harley ausrechnet dort nach einem Fotohalt nicht sofort anspringen wollte, sorgte für kurzes Unwohlsein – weitab von jeder Zivilisation und im wieder einsetzenden Regen.

Diese Miniharley hatten die Eigentümer des Autos mit den Scheintoten (oben) im Garten stehen.

Die Tour führte schließlich nach Everglades City – am Ende etwa eine Stunde im Dauerregen. Jetzt kann ich gut verstehen, dass es Motorradfahrer gibt, denen solches Wetter kaum etwas ausmacht. Die große Scheibe der Harley, der Vorbau vor den Griffen, die dick gewölbten Kunststoffabweiser vor den Trittbrettern – alles das sorgte dafür, dass die Regenfahrt erträglich  blieb. Trotzdem war es schön, schnell ein Quartier zu finden. Die Harley „schläft“ jetzt vor einer nicht ganz preiswerten aber hübschen Unterkunft, die „Ivey House“ heißt. Nach etwa 750 gemeinsamen Kilomtern kommen wir inzwischen ganz gut miteinander klar.

s Kommentare

  1. Regen in Florida? Kaum zu glauben. 😉 Nein, ernsthaft, ich hatte fast nur Wasser von oben. Aber die Fahrt über die Florida-Keys ist tatsächlich der Hammer. Zumindest was die Gegend angeht. Hatte ich Dir ja gesagt. Und lecker Fisch gibts dort allerorten. Bin sehr gespannt auf Deine weiteren Stationen.

    Gute Fahrt und lass es knattern! Falk

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