Moped / Motorrad

Zwei Mal durchs Erzgebirge

Es ist nicht zu übersehen, der Motorradfrühling hat angefangen.

Mit einer munteren Frühlingstour habe ich den Ostermontag gefeiert. 170 Kilometer Strecke, zwei Mal in Nord-Süd-Richtung durchs Erzgebirge – was für ein Glück, dass wir hier, südwestlich von Dresden, eine so tolle Motorradfahrer-Region haben. Der Einstieg ist schnell gemacht – von Dresden geht’s auf der B170 bis kurz vor Schmiedeberg. Viel Verkehr und nur wenig Kurven prägen diese ersten Kilometer. Doch dann geht’s direkt los – ich biege nach rechts ab auf die B171 in Richtung Frauenstein. Die Straße schlängelt sich behende nach oben, führt durch schöne, teils lange Kurven auch wieder bergab und die Hälfte der Strecke bis Frauenstein markiert die Talsperre Lehnmühle. Nach der 180 Grad-Kehre direkt am Beginn der Talsperre lohnt es sich, ordentlich am Gas zu bleiben – die Bundesstraße zieht durch einen Wald am Wasser entlang, bevor sie sich nach links von der „Lehnmühle“ verabschiedet.

Frauenstein lassen ich rechts liegen, es geht weiter in Richtung Rechenberg-Bienenmühle. Ein Örtchen mit einem kleinen Brauereimuseum, das man gewiss mal ansteuern sollte. Zuvor führt die B171 östlich an Nassau vorbei, berühmt wegen seiner Silbermannorgel. Die Nassauer sind übrigens keine Sachsen, die sich ständig durchschnorren. Der Begriff, der einen nicht sehr beliebten Menschenschlag beschreibt, ist abgeleitet vom Berliner Ausdruck „nass“, der „umsonst“ bedeutet. Und dieses berlinerische „nass“ kommt laut Wiki wiederum vom westjiddischen „nossenen“, das „schenken“ bedeutet.

Leider haben die Clausnitzer negative Schlagzeilen gemacht.

Lange genug abgeschweift – in Rechenberg-Bienenmühle geht’s am Bahnhof rechts weg nach Clausnitz. Der Ruf dieses Örtchens hat zuletzt schwer gelitten, als es dort Pöbeleien bei der Ankunft von Asylbewerbern gab. So schöne Kurven, so schöne Natur – und so hässliche Ereignisse. Irgendwie passt das nicht wirklich zusammen. Halbzeitziel dieser Tour ist Wolkenstein mit seinem Zughotel, das auch als Motorradtreff bekannt ist. Dazu verlasse ich die „171“ kurz nach Clausnitz nach rechts und fahre durch Dorfchemnitz, Mulda, Zethau und Obersaida hinüber zur B101. Dort halte ich mich dann Richtung Annaberg-Buchholz. Jetzt sind es nur noch 20 Kilometer bis zum Zughotel. Auf den Höhen habe ich dabei stets den Fichtelberg im Blick. Am Imbiss des Zughotels trifft man übrigens fast immer andere Motorradfahrer, auch wenn es am Ostermontag nur eine Hand voll Biker war. Die große Schüssel Soljanka zum Mittagessen war dennoch perfekt – kann man machen für 4,50 Euro.

Hier am Zughotel in Wolkenstein treffen Motorradfahrer stets Gleichgesinnte.

Nun wende ich das Vorderrad kurz nach Osten und dann nach Süden, es soll rüber nach Tschechien gehen. Von Wolkenstein aus kann man dazu die B101 und die B171 bis nach Marienberg nehmen. Auf dieser Bundesstraße, die mich ja schon aus dem Tal der Roten Weißeritz heraus nach Frauenstein geführt hat, geht es nun weiter durch Olbernhau bis Sayda. Toll zu fahren, auch wenn am Ostermontag die einstelligen Temperaturen und mancher kleine Schneerest neben den Straßen frösteln ließen. In Sayda halte ich mich rechts, Most in Tschechien ist dort bereits ausgeschildert. Kurz bevor es über die Grenze geht, führt die Tour durch Seiffen. Der Kurort ist vor allem für die Weihnachtsschnitzereien bekannt, die dort in Handarbeit gefertigt werden. Man kann sie nicht übersehen…

Kurz vor Seiffen, im Flöhatal, grüßt eine Grobschnitzerei in Motorradform am Straßenrand.

Auf tschechischer Seite überraschte Gestank. Die Chemieindustrie aus Litvinov grüßte mit Mief, Braunkohleabbau hat die Gegend geformt. Keine reine Freude, wäre da nicht die steil abfallende Südflanke des Erzgebirges, in die die Tschechen tolle Straßen geschnitten haben. In Richtung Dubi, also heimwärts, führt die Tour nun durch Osek mit seinem sehenswerten Zisterzienserkloster. Es ist mehr als 800 Jahre alt und lockt nicht nur mit toller, wenngleich stellenweise auch stark sanierungsbedürftiger Architektur, sondern auch mit einer täglich geöffneten Klosterkneipe. Dort, so verkündet es ein Holzschild am Eingang in den Klosterhof, gibt es Bier mit bis zu 15 Umdrehungen.

Schön – das Kloster in Osek mit dramatischen Wolken.

Nix für Motorradfahrer – also geht es weiter heimwärts. Zunächst bis Dubi und von dort rauf nach Zinnwald. Ist keine Polizei in der Nähe, sind das tolle Teststrecken fürs Motorrad. Hier kann man die Gänge ausdrehen und – vor allem hinauf zum Erzgebirgskamm – noch einmal tolle Kurven erleben.

Für die Rückfahrt nach Dresden bietet sich dann wieder die B170 an – oder die Tour durchs Müglitztal hinunter an die Elbe. Dresden/cs

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