Weltanschauliches

Ukraine-Hilfstour II: Dank und eine Möglichkeit (Teil 3)

Eine Waage wäre gut gewesen. Oder jemand, der wirklich alles mitzählt. So wissen wir nur ungefähr, wie viele Spenden für Mykolaiv wir dieses Mal auf den Weg gebracht haben.

Hier waren (fast) alle Spenden im Auto. Wir danken allen, die dazu beigetragen haben.

Etwa 4.000 Euro umfasste der Spendenwert bei unserer ersten Hilfsfahrt im April. Damals war die Spendenbereitschaft hoch, die Zahl der Transporte ebenso. Regelmäßig gingen von Dresden aus große Laster mit Hilfsgütern auf die Reise Richtung Ukraine, täglich kamen jeden Menge Flüchtlinge an. Wir fuhren mit einem Mercedes Vito, einem Neunsitzer, vollbeladen mit Spenden an die moldawisch-ukrainische Grenze, übergaben dort „unsere“ Spenden und brachten zwei Flüchtlingsfrauen mit nach Dresden.

Werden es bei einer zweiten Tour Spenden im Wert von mindestens 5.000 Euro, fahren wir noch einmal, haben wir uns im Sommer 2022 vorgenommen und erneut zum Spenden aufgerufen. Und es tat sich – nichts. Auf dem eigens eingerichteten Paypal-Konto (zu finden mittels der Mailadresse mykolaiv@neustadt-gefluester.de) blieb es wochenlang bei dem einen Euro, den wir als Test überwiesen hatten. Niemand rief an und erkundigte sich nach einem Abgabeort für Sachspenden, Ruhe auch in den Mailpostfächern. Währenddessen wurden in im ukrainischen Mykolaiv, der Zielstadt unserer Spenden, die Gebietsverwaltung und jede Menge Wohnhäuser zerschossen, viele Bilder aus der Stadt am Südlichen Bug gingen um die Welt. Cherson, nur knapp 60 Kilometer südöstlich von Mykolaiv, wurde „russisch“ und die 480.000-Einwohner-Stadt, aus der meine liebe Ehefrau stammt, damit praktisch Grenzstadt.

Konsum-Einkaufsleiter Dirk Krompaß lieferte fünf Kisten mit haltbaren Lebensmitteln.
Die Mitarbeiter der „Mehrwertmacher GmbH“ haben für Mykolaiv gesammelt.

Der Konsum Dresden und die Mitarbeiter der Mehrwertmacher, eines Tochterunternehmens des DDV-Verlags (Sächsische Zeitung/Morgenpost) beendeten schließlich die Spendenflaute. Als wir ein Auto gefunden hatten und den Fahrtermin nennen konnten, nahm die Menge der Spenden deutlich zu. Warum? Wir wissen das nicht, wir können nur mutmaßen, dass das vielleicht an der Konkretisierung unserer Absichten lag. Jan Neumann aus Dresden stellte uns seinen „Sprinter“ zur Verfügung als wir wussten, dass dieses Mal keine Flüchtlinge mit nach Dresden gebracht werden müssen und wir „nur“ einen Zweisitzer brauchen. Zu dieser Zeit war auch klar, dass unser Fahrziel dieses Mal nicht die moldawisch-ukrainische Grenze sein wird, denn die Übergabemöglichkeit für die Spenden gibt es dort nicht mehr. Chełm in Ostpolen war nun unser Ziel, eine Kleinstadt, knapp 20 Kilometer entfernt von der Grenze zur Ukraine.

Jan Neumann hat nicht nur zwei Mal Sachspenden abgegeben, sondern auch Geld gespendet und seinen Transporter (im Hintergrund) zur Verfügung gestellt.
Im Simmel-Markt am Hauptbahnhof standen unter anderem sechs Kisten und Konserven bereit.

Bemerkenswert war, dass auch Menschen und Unternehmen gespendet haben, die schon unsere erste Spendenfahrt unterstützt haben. Da möchte ich zum Beispiel Peter Simmel nennen, den Chef der Dresdner Simmel-Märkte. Er hat seine Spende vom der Aprilfahrt sogar um mehr als 50 Prozent aufgestockt!!! Unbedingt genannt werden muss auch Ivo Seidel, einer der zwei Chefs der MotoMonster GmbH – einer Firma mit dem derzeit besonders passenden Motto „Sorgenfrei heizen“. Die Firma bietet Motorradtrainings an. Wieder kamen von dort 500 Euro. Erwähnen möchte ich auch den Dresdner Thomas Haase (Haase Media). Er hat seine Kontakte spielen lassen und für unsere Tour Spenden im Wert von 1.500 Euro organisiert. Taschenlampen (gerade besonders wichtig) mit Aufladekurbel bekamen wir en masse von Hendrik M. Dietrich (Catapult), Andreas Wendler vom Auktionshaus Vonau hat gespendet, auch wenn er richtige Lkw-Transporte sinnvoll findet.

Unbedingt erwähnt werden müssen auch die Freunde aus drei Dresdner Gesangsensembles, die viel gespendet haben – aus dem Ensemble cum passione, dem Ökumenischen Chor der Dresdner Weinbergskirche Dresden und dem Männerquintett Die Kerners.

Am Ende waren es Spenden im Wert von etwa 6.600 Euro. Die Gesamtsumme der Spenden, die wir bisher für Mykolaiv gesammelt haben, hat damit die 10.000 Euro-Marke deutlich überschritten – nicht mitgerechnet, dass wir zwei Autos gratis für eine Gesamtstrecke von nunmehr rund 6.000 Kilometern gestellt bekommen haben. Einen Teil des Geldes haben wir für die Fahrten ausgegeben – wohlgemerkt, ausschließlich für die unmittelbaren Fahrtkosten (Diesel) und den einen oder anderen (Tankstellen)Kaffee. Maut mussten wir bei unseren zwei Touren nur für die Slowakei bezahlen, durch Tschechien, Ungarn, Rumänien und Polen durften wir mautfrei fahren, die Übernachtung in Chełm haben wir selbst gezahlt.

Großer Dank: Thomas Haase organisierte Spenden im Wert von rund 1.500 Euro.

190 Euro sind dieses Mal übrig geblieben. Wir atmen durch, denken an unsere Organisationshelfer in Chełm und Mykolaiv und längst stehen weitere Entscheidungen: Einerseits haben wir entschieden, das Restgeld erst einmal zusammenzuhalten. Andererseits können wir jetzt nicht einfach die Hände in den Schoß legen. Wir brauchen zwar etwas Abstand, aber wir werden eventuell wieder fahren – der finanzielle Grundstock ist ja schon da. Inzwischen haben wir ein weiteres Auto dafür angeboten bekommen, dazu einen Anhänger (was für eine Herausforderung für alle potenziellen Spender und für uns), wieder das Auto von Jan Neumann, mindestens einen zusätzlichen Fahrer, weitere Spenden… Dann hoffentlich Spenden zur Unterstützung des Wiederaufbaus nach dem Ende des Krieges – Schaufeln, Spitzhacken, Besen und Schubkarren vielleicht. Dresden/csp

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