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BMW-Kritik weichgespült?

Hier ein Screenshot – links auf der „Motorrad“-Startseite stand gestern der BMW-Artikel.

Was ist denn da passiert? Haben die BMW-Verantwortlichen durchgegriffen? War der Artikel falsch oder nicht genehm? „Motorrad online“, das Internetportal der Zeitschrift „Motorrad“, hat gestern Nachmittag einen Artikel zur neuen R 1200 GS gänzlich gelöscht, der ursprünglich mit Foto auf der Startseite stand. „Auslieferung gestoppt, Gerüchteküche brodelt“, lautete die Überschrift. Es ging unter anderem um die Frage, ob der schwere Unfall, bei dem der britische Motorradjournalist Kevin Ash im Januar in Südafrika ums Leben gekommen ist, technische Ursachen hatte. Ash galt als sehr guter Fahrer, er arbeitete unter anderem für den „Daily Telegraph“. Mehreren Medienberichten zufolge hat er bei einer Testfahrt auf einer Schotterstrecke die Kontrolle über eine nagelneue R 1200 GS verloren, das Motorrad soll sich überschlagen haben.

BMW hatte sich bisher noch nicht öffentlich geäußert zur Unfallursache. Deshalb gab es Gerüchte, dass der Unfall eine technische Ursache habe könnte. Solche Gerüchte kann man zum Beispiel hier in einem der vielen GS-Foren nachlesen. Die „Motorrad“-Mitarbeiter Eva Breutel, Thomas Schmieder und Mike Schümann hatten nun einen Artikel recherchiert, in dem sie auf diese Gerüchte eingingen und berichteten, BMW habe die Auslieferung der neuen R 1200 GS gestoppt, um sie nachzurüsten.

Womit und mit welchem Ziel sie nachgerüstet werden soll, war gestern den zuletzt noch online zu findenden Textstücken nicht mehr zu entnehmen. Aber: Einen einmal veröffentlichten Artikel wieder zu löschen – sowohl im eigenen Webangebot als auch bei Facebook – ist mindestens unglücklich. Das weckt Zweifel an der journalistischen Freiheit der Redakteure. Chefredakteur Michael Pfeiffer erklärte das auf „Unkorrekt“-Anfrage so: „Wir haben den … Artikel ersetzt durch einen inhaltlich besseren zum selben Thema ´BMW R 1200 GS´. Inzwischen konnten wir nämlich BMW dazu bewegen, endlich öffentlich zu den Vorkommnissen und Nachbesserungen Stellung zu nehmen.“ Mehr dazu soll in der nächsten Printausgabe von „Motorrad“ stehen, so Pfeiffer weiter.

Es bleiben Zweifel. Die „saubere Lösung“ wäre wohl gewesen, den Artikel durch einen klar gekennzeichneten Zusatz zu ergänzen oder einen zweiten Bericht mit der Reaktion von BMW nachzuschieben. Den Eindruck, dass im Hintergrund womöglich zugunsten von BMW entschieden wurde, dass die ursprüngliche Kritik mit dem Weichspüler bearbeitet wurde, kann Pfeiffer mit seiner Erklärung (bei mir) nicht gänzlich ausräumen. Die Lösch-Aktion selbst stärkt  außerdem nicht eben das Vertrauen der Leserschaft in das Blatt, dem (sicher zu unrecht) mit fast schon penetranter Regelmäßigkeit vorgeworfen wird, zu freundlich mit der blau-weißen Marke umzugehen.

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