Weltanschauliches

Weg ist weg!

Mit Otjez Antonij im Kloster in Sergijew Possad.

„Das ist der Super Gau!“ Wenn ein Kirchenmann so etwas sagt, muss wirklich etwas Außergewöhnliches passiert sein. Gestern hat Superintendent Christian Behr das gesagt und er hatte allen Grund dazu. Pass und Portemonaie waren verschwunden. Alles Suchen half nichts, weg ist weg. Wahrscheinlich hat sich ein Bösewicht das Reisedokument und die Geldbörse im Nachtzug von Smolensk nach Moskau gegriffen. Nur fünf Minuten nach seiner Bemerkung hatte der Chef der Reisegruppe aus Dresden seine Contenance zurück. Inzwischen – nach dem Besuch auf drei Polizeistationen – besitzt er eine amtliche Quittung für den Verlust und kann fast sicher sein: Morgen bekommt er in der Deutschen Botschaft einen neuen (Hilfs)Pass.

Der geplante Besuch im Dreifaltigkeitskloster in Sergijew Possad fand trotzdem statt. Leicht verspätet erreichte die Reisegruppe die anderthalb Zugstunden nordwestlich von Moskau gelegene Stadt und bekam eine perfekte Kurzführung durch das Kloster, höchstpersönlich vom Prorektor der angeschlossenen Akademie für orthodoxe Geistliche. Otzjez (Vater) Antonij führte durchs Heilige Tor in das Kloster, erklärte die Geschichte der verschiedenen Kirchen und verschaffte uns sogar schnellen Zugang zur wichtigsten Klosterkirche, vor der orthodoxe Gläubige in einer langen Schlange darauf warteten, den Silbersarg des Klostergründers küssen zu dürfen. Die Anlage war mächtig überlaufen, zum Schulabschluss „pilgerten“ zahlreiche Schulabgänger zum Heiligen Sergius von Radonesch, womöglich um ihm für gute Noten zu danken.

Vater Antonij, so der ehrenvolle Name des jungen Prorektors, berichtete unter anderem von einer kleinen Kapelle der russisch-orthodoxen Kirche in der Antarktis. Dort seinen Geistliche damit beschäftigt, die Wissenschaftler bei ihrer Arbeit zu unterstützen, begründete er das Engagement. Vermutlich hat der Einsatz im ewigen Eis aber mehr mit der Präsentation von Stärke zu tun.

Der Kölner Karneval und seine Frau Natascha Matveeva sind Günter Schmitz das Wichtigste.

Der Abend in Moskau war zumindest für die Reiseteilnehmer, die noch im Besitz ihrer Reisepässe waren, ein großes Vergnügen. Zunächst stand eine Einladung zu einem Kölner Ex-Polizisten und dessen russischer Frau auf dem Programm. Die Reisegruppe war zu Günter Schmitz und Natascha Matveeva eingeladen. Der 86-Jährige lebt seit 24 Jahren in Moskau und während seine Frau, die als Buchhalterin im Moskauer RTL-Büro arbeitet, still und freundlich stets neue selbstgefertigte Köstlichkeiten auftischte, berichtete Günter aus seiner Heimat. „Ich spreche kein Wort Russisch“, erzählte „Günter ohne H“ von sich, das sei auch gar nicht nötig. „Die eine Hälfte der Moskauer spricht Kölsch, mit der anderen gibt es nichts zu Bereden“, erklärte er seine Russisch-Abstinenz. Schnell erklärte sich, weshalb im Flur der Wohnung in hölzernen Schaukästen hinter Glas unzählige Karnevalsorden hängen und  der Besuch hätte gern länger dauern können, wäre da nicht Alexandra gewesen, die Gastgeberin des Ehepaars Weirauch, die uns Moskau bei Nacht zeigen wollte. Sie packte uns in ihren Minidaihatsu, chauffierte uns durch die Millionenmetropole, zeigte uns tolle Ausblicke und erklärte dabei die Millionenmetropole. Höhepunkt war der Besuch auf den Sperlingsbergen unweit der toll illuminierten Lomonossov-Universität mit Blick auf das nächtliche Moskau…

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