Weltanschauliches

Sterne, Adler, Kronen und Kreuze

Der Rote Platz und der Kreml mit der gigantische Zarenkanone und der Zarenglocke (beide viel zu groß, um sie jemals zu verwenden), das Treiben im Zentrum von Moskau – und das alles bei 20 Grad und zumeist auch Sonne – Russlands Hauptstadt zeigte sich am letzten Besuchstag in Bestform. Selbst die unzähligen Aufpasser im Stadtzentrum – bei einer 360-Grad-Drehung kann man auf dem Roten Platz leicht ein Dutzend Polizisten zählen – schienen heute irgendwie freundlicher dreinzublicken. Da wollte offenbar auch Lenin nicht nachstehen und ordnete dem angehenden Pionier höchstselbst das Halstuch, bevor er ihm fürs bevorstehende Erinnerungsfoto den richtigen Pioniergruß beibrachte. Solchen Figuren kann man an jeder Ecke begegnen, auch Stalin ist als Motiv sehr beliebt. Darüber hinaus war das Zentrum der Stadt heute fest in der Hand von Reisegruppen aus Fernost, solche aus Deutschland habe ich  vergeblich gesucht.

Kunst von hinten – vier Pferde nahe dem Kreml im Brunnenwasser.

Die Stadt putzt sich praktisch ständig heraus, unzählige Straßenreiniger sind dafür zuständig. Mit Strohbesen und Kehrichtschaufeln bewaffnet bevölkern sie die Straßen, anderswo erledigt so etwas eine einzige Kehrmaschine in einem Bruchteil der dafür in Moskau nötigen Zeit. Die Straße, auf der Putin in der Regel unterhalb des Kremls vorfährt, wurde vor unseren Augen sogar mit einem Schrubber und Seifenwasser bearbeitet… Gleich daneben befindet sich ein Wasserspiel mit Kaskaden, in denen im Sommer gern auch mal gebadet wird, außerdem wiehern dort vier Pferde im stets aus allen Richtungen kommenden Brunnenwasser. Geht man durch einen Wassertunnel, kann man die fein modellierten übergroßen Huftiere auch von hinten bewundern…

Beim letzten Treffen mit Mitgliedern der ev.-lutherischen Peter&Pauls-Gemeinde in Moskau stand heute eine Bibelstunde im Mittelpunkt, danach war beim obligatorischen Tee Zeit für Fragen an die Gäste. Wie wird Kirche in Deutschland finanziert? Wie funktioniert Religionsunterricht an Schulen? Wie viele Christen gibt es überhaupt in Deutschland und wie ist deren Altersstruktur? Es gab viele Fragen, Superintendent Behr und sein Pfarrerskollege Weirauch gaben ausführlich Auskunft. Selbst Sonntagsöffnungszeiten waren ein Thema. Pröpstin Elena Bondarenko stellte fest, in Russland gebe es ein großes Feiertags-Durcheinander: Staatliche Prasdniki neben Feiertagen der orthodoxen Kirche und solchen, wie wir sie kennen: Ostern, Pfingsten, Weihnachten nach dem mitteleuropäischen Kalender. „Das spiegelt unsere Gesellschaft wieder“, kommentierte sie diese Situation. Genau das hatte sie heute zuvor schon einmal gesagt – beim Blick auf einen der berühmten Kremltürme am Roten Platz – auf der Spitze prangte ein Sowjetstern, gleich daneben auf dem Historischen Museum ein russischer Doppeladler und ein Stück weiter eine Krone. Und von der anderen Seite des Roten Platzes glänzten die Kreuze einer orthodoxen Kirche zu uns herüber…

Superintendent Behr (Mitte) und Pfarrer Weirauch (links daneben) standen heute Rede und Antwort.
  • Nicht ganz nebenbei ergab sich heute die Gelegenheit, eine „Brieffreundschaft“ zu einer richtigen werden zu lassen – aber das ist eine ganz andere (schöne) Geschichte.

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