Motorrad

Zu Besuch in der Strafbat-Werkstatt

Kardanöl auf dem Hinterrad – bei Strafbat in St. Petersburg steht die Yamaha in der Werkstatt.

Defekt! Kaputt! Nicht mehr fahrbereit! Irgendwann musste das kommen und es hat mich sozusagen im perfekten Augenblick erwischt. Die Defekthexe hat sich gemeldet, die Yamaha muss in die Werkstatt. Eine Dichtung am Kardangetriebe hat die Arbeit aufgegeben, das warme Kardanöl quillt durch den dünnen Spalt und  tropft auf das Hinterrad. So ist an Weiterfahren nicht mehr zu denken. Nun steht das Motorrad in der Werkstatt des St. Petersburger Motorradclubs Strafbat. German wird heute Hand anlegen – aufgebockt haben wir die Maschine schon – mit einem Wagenheber, Holzunterlagen und einem von Strafbat selbst gefertigten dreieckigen Bock aus Stahlrohr. Das Hinterrad muss raus, eine passende Dichtung gefunden werden, dann wird alles wieder montiert und neues Öl eingefüllt. „Eto net problem“, hat mir German zu verstehen gegeben und das klingt sehr beruhigend. Dennoch fällt es schwer, an etwas anderes zu denken.

Zum Beispiel wäre da die Erinnerung an den Sonntagsgottesdienst gestern in der Petrikirche mit dem bemerkenswert guten Gemeindechor. Ein langer Gottesdienst und zugleich der letzte des derzeit hier amtierenden Pastors Krech aus Hannover. Pfarrer Krech ist Pensionär und hat hier an der Newa einige Monate lang ausgeholfen. Nun erwartet die ev.-lutherische Gemeinde in St. Petersburg gespannt ihren neuen Pfarrer, der Ende der Woche aus Deutschland eintrifft und drei Jahre bleiben wird.  Vor allem der Gemeinderat setzt große Hoffnungen in ihn, denn das Schiff, das sich Gemeinde nennt, segelt hier gerade in unruhigem Fahrwasser. Es fehlt ein Propst, ein Verantwortlicher, der die Fäden in der Propstei Nordwestrussland zusammenhält und die Interessen der Gemeinden vertritt…

In der Petrikirche steht der Chor wortwörtlich hinter der Gemeinde.

Der Rest des Tages war gestern vom Besuch bei Strafbat geprägt. Der Club feierte am Spätnachmittag seinen erfolgreichen Auftritt im Rahmen einer Open-Air-Veranstaltung, mit der an den Beginn der Blockade von St. Petersburg im Zweiten Weltkrieg erinnert wurde. Gefeiert wurden – natürlich – mit viel Wodka an einer zum Tisch umfunktionierten Kabeltrommel im „Garten“ des Motorradclubs. Zum Wodka gabs Wurst, Brot und eingelegtes Gemüse. Und jede Menge handgemachte Patriotenmusik.

Mit Wodka und viel Musik feierte der harte Kern von Strafbat bis spät in die Nacht.

s Kommentare

  1. Dem MC Strafbat, Grigori, Alligator, German und anderen Membern herzlichen Dank für die
    Gastfreundschaft und die schnelle Hilfe. Gottes Segen für Euch alle!

    Frank Ahner

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