Motorrad

Florida summary – part I

Das Floridakennzeichen der Harley – kaum zu sehen unterm großen Topcase, aber schick.

Miami Beach (cs). Das ist wie Eierkuchen mit Sirup und endlos Kaffee. Wie Rüherei mit Speck und dazu ein kühles Bier. Harley fahren in den USA. Keine Motorräder entsprechen mehr dem American way of life als die schweren Eisen aus Milwaukee. Und keine Straßen sind dafür besser geeignet als die amerikanischen Highways. Lang, breit und schnurgerade bis zum Horizont. Nach 1535 Florida-Meilen mit einer E-Glide lautet das Fazit: Alles richtig gemacht, auch wenn das kein Urlaub zum Schnäppchenpreis war.

Zwei Tage Miami Beach nutze ich nun, um ein zweiteiliges Fazit zu schreiben. Im ersten Teil geht’s um das Motorrad und die Reisezeit. Im zweiten Teil um die Fahrstrecke und das Drumherum, wozu unter anderem die Frage der Übernachtung und der sonstigen Notwendigkeiten (Essen, An- und Abreise etc.) gehört.

Dampfer oder Schrankwand: Was auch immer man von der E-Glide hält, bequem und zuverlässig war sie.

1. Das Motorrad

Die Electra Glide war ein zuverlässiger und ausgesprochen gutmütiger Reisebegleiter. Der Komfort dieses Riesenmotorrads ist kaum zu übertreffen. Das beginnt bei den drei im Mietpreis enthaltenen verschließbaren Gepäckabteilen. Das waren schon keine Koffer mehr, sondern Kofferräume. Das Topcase war tatsächlich groß genug für die Reisetasche, die ich jeden Abend mit ins Zimmer genommen habe. In einem der Seitenkoffer lagerte sicher und stets griffbereit die Ausstattung für Schlechtwetterfahrten (Motorradjacke, einer von zwei Motorradstiefeln und Regensachen). Im anderen der Rucksack mit allen Dokumenten, Reiseführern, dem Netbook und Ladegeräten. Und der zweite Motorradstiefel. Dazu hatte die E-Glide noch Stauraum in zwei „Beulen“ vor den vorderen Trittbrettern – mit Lederklappen samt schwer gängigen Druckknöpfen als Verschluss.

Das Motorrad selbst ist leicht zu fahren, hat man sich einmal mit dem sieben Zentnern Lebendgewicht angefreundet. Allerdings – in zu große Schräglage sollte der Dampfer nie geraten, keine Chance, ihn dann noch zu halten. Das Sechsganggetriebe schaltet ausschließlich gut hörbar, den Leerlauf zu finden, war aber bis zur letzten Meile ein Suchspiel. Nie sollte man das Motorrad mit eingeschalteter Zündung mehr als zehn bis 15 Minuten stehen lassen, denn dann gibt die Batterie auf, hat mir der Vermieter geraten. Klar – Radio, drei Frontscheinwerfer, vier Hecklampen und der „Lichtschlauch“ am Topcase ziehen kräftig Saft. Die Bedienelemente neben den beiden Handgriffen sind perfekt erreichbar, auch die Knöpfe unterm großen Windschild.

Selfie mit Tankdeckel und „Braincap“ – so sah sich der Kapitän auf der Brücke.

Der Verbrauch war erstaunlich gering: Reichlich 5,2 Liter Sprit hat sich die E-Glide auf 100 Kilometern genehmigt. Das liegt sicher an den aus deutscher Sicht niedrigen Höchstgeschwindigkeiten, die in den USA erlaubt sind – mehr als 120 Kilometer pro Stunde sind in der Regel auch auf den bestausgebauten Autobahnen nicht erlaubt. Und die Topografie hat gewiss auch zum geringen Durchschnittsverbrauch beigetragen – von beeindruckenden Brücken abgesehen war es stets flach. So summierte sich der Spritverbrauch auf knapp 113 Dollar. Laut Vermieter verlangt die E-Glide den besten verfügbaren Sprit, 93 Oktan sollten es stets sein. Das Benzin kostete im Schnitt also knapp 90 Dollar-Cent pro Liter.

Der Blick von der Brücke – so sah der Kapitän des Dampfers die Straße.

Fazit: Ich würde wieder die E-Glide wählen für eine solche Tour. Schon deshalb, weil der Gepäcktransport so herrlich unanstrengend ist. Und weil es hier auch mal kräftig regnen kann. Selbst da ist man mit dem Motorradelefanten nicht schlecht bedient. Einziger Nachteil – wohl aller Harleys: Der mächtige Twin entwickelt ordentlich Hitze und im Stop-and-Go-Verkehr kann das bei mehr als 25 Grad „Außentemperatur“ schnell zu sehr unangenehm werden. In der Mitte. Rechts droht außerdem Verbrennungsgefahr, kommt man mit dem Schuh zu dicht an die Auspuffrohre und mit dem Knie zu dicht an den Luftfilter (komisch, dass der tatsächlich heiß wird).

2. Die Reisezeit

Alles über 80 Grad Fahrenheit ist ganz schön warm. Das entspricht knapp 27 Grad Celsius. Nachts wird es im Süden Floridas (als etwa südlich der Linie Miami-Naples) zur Zeit nicht kälter als etwa 20 Grad. Der November ist also perfekt für eine Motorradtour. Allerdings kühlt der Fahrtwind nicht immer – im Stadtverkehr wirkt er mitunter so, als ob dem geneigten Biker ein eingeschalteter Föhn direkt vors Gesicht gehalten wird. Deshalb war ich nach 2500 Motorradkilometern in Florida doch froh, gestern mal per Taxi und mit dem Öffentlichen Personennahverkehr unterwegs sein zu können.

Fast immer lud das Wetter zum Sonnen und Baden ein – hier in Key West.

Es kann auch regnen in Florida. Dann sogar richtig – sehr kräftigen warmen Gewitterregen habe ich erlebt, so heftig, dass an eine Weiterfahrt nicht zu denken war. Ganz dünnen Nieselregen aus wenigen grauen Wolken bei fast überwiegend blauem Hmmel gabs auch – das war eher angenehm kühlend. Letztlich hatte ich wohl Wetterglück, denn ich habe auch von verregneten Florida-Urlauben gehört: Deutlich weniger als fünf Prozent der Florida-Kilometer musste ich mit Regen vorlieb nehmen. Bei all‘ meinen vorangegangenen Motorradurlauben – ob nun in den Alpen, am Mittelmeer, auf Korsika, in den Balkanländern, im Baltikum oder Russland und der Ukraine – waren es stets fast zehn Prozent.

Sonnenaufgang 6.30 Uhr Ortszeit in Key Coloney Beach.

Auch im „richtigen“ europäischen Winter ist Florida ein passendes Ziel für Motorrad- und Badeurlaub. Allerdings kommen dann die „Snowflakes“ aus dem Norden der Vereinigten Staaten in die warmen Gefilde Floridas, habe ich mir erzählen lassen. Dabei handelt es sich zumeist um Pensionäre aus den Wintergebieten der USA. Sie wohnen hier u.a. in riesigen Trailerparks, in denen sie ihre eigenen „Datschen“ auf Rädern stehen haben. Dann steigen die Übernachtungspreise auch in Motels und Hotels – keine gute Reisezeit. Denn Florida ist ohnehin nicht ganz billig, vor allem nicht an den Küsten.

17.30 Uhr. In einer knappen halben Stunde geht die Sonne unter am Bahia Honda Key.

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