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Drei Probleme und ein Arbeitsauftrag

Wie hier den Zugang zum Theaterplatz hat die Polizei gestern auch die Sophienstraße dicht gemacht. Foto: dpa
Wie hier am Theaterplatz hat die Polizei gestern auch die Sophienstraße dicht gemacht. Foto: dpa

„Lügenpresse, Lügenpresse, Lügenpresse!“ Immer montags brüllen mir das Menschen ins Gesicht, die mir noch nie begegnet sind. Die ich nicht kenne und die mich nicht kennen. Die noch nie einen meiner Artikel gelesen haben. Und doch sehen sie mich dabei an, wenn sie mitbekommen habe, dass ich Zitate notiere und Reden mitschneide.

Problemfall 1: Aus Sicht der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ bin ich ein Lügner. Einer, der seinen Beruf nicht ernst nimmt oder gar nutzt, um Unwahrheiten zu verbreiten. Auch gestern war das wieder so. Immer häufiger entdecke ich bei Pegida Menschen, die mit mir eines meiner liebsten Hobbys teilen – das Motorradfahren. Leute, genau von Euch bin ich besonders enttäuscht. Wenn Ihr tatsächlich meint, dass ich „Lügenpresse“ bin, warum habt ihr mir das noch nie direkt gesagt??? Oder brüllt Ihr nur mit, was alle brüllen – auch die Volksverhetzer auf der Pegidabühne?

Problemfall 2: Journalisten stören … die Polizei bei der Ausübung ihrer Pflicht. Sie soll das Chaos an solchen Tagen ordnen, Auseinandersetzungen verhindern, das Demonstrationsrecht und die Meinungsfreiheit schützen, wie die Beamten gern von sich selbst sagen. Zunehmend ist dabei zu beobachten, dass Journalisten bei ihrer Arbeit behindert werden. Gestern hat die Polizei die direkte Verbindung zwischen dem Schlossplatz und dem Theaterplatz dicht gemacht und die Sophienstraße gesperrt. Mit Autobarrikaden, indem die Beamten ihre Einsatzfahrzeuge so dicht aneinander stellten, dass kein Durchkommen mehr war. Davor bauten sie sich selbst auf und zeigten so unmissverständlich: Hier ist alles dicht. So wurden Fernsehteams daran gehindert, vom Theaterplatz zu ihren Übertragungswagen nahe der Augustusbrücke zu gelangen. Und so haben die Beamten mir verboten, vom Theaterplatz über die Sophienstraße den direkten Weg zurück in die Redaktion zu nehmen. Sie haben mich zurückgeschickt zu Pegida. Werte Kollegen in der Pressestelle der Polizei: Das empfand ich nicht nur als besonders gefährlichen Weg sondern auch als Behinderung meiner Arbeit.

Problemfall 3: Der Weg zurück zur Redaktion führte also am Zwingerteich entlang, wo sich gestern Pegida-Gegner versammelt hatten, um dort den „Nazis“ aufzulauern. Als solcher wurde ich mehrfach beschimpft. Und für einen solchen hielt mich auch ein aufgeregter junger Mann. Er stellte sich mir in den Weg, ließ mich seine Bierfahne riechen und hüpfte auf und ab. „Du bist doch auch Pegida“, glaubte er, einen ganz Schlimmen erwischt zu haben. „Na, Pegida, du alter Mann“, provozierte er weiter und hatte damit Erfolg. Ich habe mich hinreißen lassen, ihn eine „Arschgeige“ zu nennen und ihn aus dem Weg zu brüllen. Das tat gut! Seine Helfer zogen auch gleich den Schwanz ein und trotteten davon.

Was ich mit alledem sagen will? Es geht mir einerseits mächtig auf den S…, montags – je nachdem, wer gerade mein Gegenüber ist – ein Lügner, ein Störer oder ein Pegidist zu sein. Andererseits: Es ist Montag für Montag – besonders als Dresdner – eine spannende Herausforderung, sachlich und ausgewogen über das Geschehen in der Landeshauptstadt zu berichten. Dazu gehört auch, Neonazis zu benennen, Polizisten zu kritisieren und linke Schläger zu entlarven. Dresden/cs

Ein Nachtrag (vom 21. Oktober): Seit gestern Nachmittag kann man auf der Website des Bündnisses „Dresden Nazifrei“ die Pressemitteilung lesen, in der die Verantwortlichen der Kampagne „Herz statt Hetze“ und „Nazifrei“ selbst ihre Eindrücke vom Montagabend zusammenfassen. „Großer Erfolg und großes Desaster“ lautet die Überschrift. Sie ziehen ein grundsätzlich positives Fazit ihrer Aktivitäten und stellen dann fest, trotz des Widerspruchs Tausender gegen Pegida „kam es zu schweren Ausschreitungen von gewaltbereiten Teilnehmer_innen der Pegidademonstrationen und teilweise zu Straßenschlachten zwischen Nazis, Hooligans und der Polizei.“ Das ist leider nur die halbe Wahrheit. Denn die Verantwortlichen vergessen, dass auch Teilnehmer des Sternmarschs Knaller geworfen haben. Gewalttätige Attacken gegen die Polizei und Teilnehmer der Pegida-Kundgebung gingen von ihnen zum Beispiel am Zwingerteich aus. Das sollten die Verantwortlichen von „Herz statt Hetze“ und „Dresden Nazifrei“ besser nicht ausblenden, denn auf dem linken Auge blind zu sein, trägt kein bisschen zu einem sachlichen Diskurs bei. 

s Kommentare

  1. Die Sperrung am Schlossplatz hing vermutlich damit zusammen, dass ein Herr Kasek kurzerhand auf dem Schlossplatz eine Spontandemo angemeldet hat…
    Ich als Exil-Dresdner verfolge die Ereignisse auch genau – und muss mich teilweise auch erklären.
    Wenn unsere Presse endlich mal wieder sachlich berichten würde, wäre das Thema „Lügenpresse“ aus der Welt. Da man aber meint, die Meinungen vorgeben zu können („Wir machen Meinung“) und auch bestimmte Tatsachen weggelassen werden, wird sich leider an diesem Zustand nichts ändern.
    Dies konnte man heute auch wieder wunderbar sehen, wie der KZ-Spruch zitiert und widergegeben wurde (welchen ich auf keinen Fall gutheiße).
    Weiterhin hat man es wirklich auch verpasst, sich wirklich mit den Argumenten der Leute auseinander zu setzen. Stattdessen hat man immer mit dem Finger auf die „ahnungslosen“ Nazi’s gezeigt. Dadurch hat man die Gesellschaft in „Gutbürger“ und „Nazis“ gespaltet. Und die Mitte weiß nicht wohin…
    Und wenn man ehrlich ist: Da werden Leute wegen Bilder verhaftet, die man wöchentlich in Satire-Zeitungen findet.

    PS: Derzeit fühle ich mich bei keiner Partei in Deutschland aufgehoben, die meine Vorstellungen vertritt. Und dies macht mir eigentlich Angst. Vielleicht sollte ich doch den Schritt einer Auswandung in Erwägung ziehen…

    1. Die Sperrung am Schlossplatz hing damit zusammen, dass dort eine Gegendemonstration endete. Und ich kann selbstverständlich nicht gelten lassen, dass „unsere Presse“ unsachlich berichtet. Da müssen Sie schon etwas genauer sein.

      1. Einfachstes Beispiel, das die Presse unsachlich berichtet: in nahezu jedem Artikel der über Flüchtlinge handelt sind Bilder von Frauen mit Kindern bzw. Familien abgebildet. Dies entspricht nicht der Realität und verzerrt das Bild der hier ankommenden Massen. Auch in den Artikeln selber wird meist von verfolgten Kinder und Familien geschrieben, warum das so ist….sagen Sie es mir, bitte. Der überwiegende Teil der Menschen die hier ankommen sind junge (wehrfähige) Männer. Von den gut ausgebildeten Fachkräften die Deutschland stärken liest man in letzter Zeit eher weniger……möglicherweise ist das auch ein Bsp. unsachlicher Berichterstattung vergangener Tage.

        1. Sie unterstellen, dass wir Flüchtlinge auf Fotos so zurechtrücken oder auswählen, dass auch Frauen und Kinder zu sehen sind. Dann haben Sie die DNN nicht aufmerksam genug verfolgt.

  2. wenn die dnn endlich beginnt linke schläger auch in der gedruckten zeitung so zu nennen und eventuell mal bei ihrer berichtersattung ein mindestmas an journalistischer ausgewogebheit walten lässt, .-ich erinnere mal an die berichterstattung zu den vorfällen in der centrumsgalerie, da ist die dnn bis heute jeden beweis für die geäusserten anschuldigungen schuldig geblieben, zum mord an khaled da hatt die dnn mindestens ein klima geschaffen, in welchem für die dnn festand das pegida „wenn pegida nicht selber gemordet hat aber das klima dafür geschaffen zu haben“, die angeblichen angriffe auf „16,17 jährige kinder vorm schauspilehaus“ auch dafür fehlt bis heute jeder beweis von dritter neutraler stelle, es gibt aber sehr wohl videos wo man deutlich sehen und hören kann, wer schreit – ab dann wird auch niemand mehr lügnenpresse rufen, sie werden hier sicher nur in mithaftung genommen, ob diese gerechtfertigt ist kann ich nicht beurteilen

    1. Herr Schreiber – wo immer die DNN etwas zu benennen hat, tut sie es – sowohl in der gedruckten Version als auch online. Im Übrigen ist es Sache der Gerichte, irgendetwas im Zusammenhang mit der Centrumgalerie zu beweisen. Wir berichten dann darüber. Solange es von dort nichts Neues gibt, gibt es auch nichts zu berichten – es sei denn, wir schreiben (wie bereits geschehen) immer wieder darüber, dass es bei Gericht nichts Neues gibt.
      Im Übrigen bitte ich Sie, Ihre pauschalen Behauptungen hier zu belegen. Wie zum Beispiel diese: „zum mord an khaled da hatt die dnn mindestens ein klima geschaffen, in welchem für die dnn festand das pegida „wenn pegida nicht selber gemordet hat aber das klima dafür geschaffen zu haben““.

  3. Nun ist aber mal gut! Dresden hat 521.000 Einwohner, davon sind vielleicht 20.000 Pegida, 20.000 dagegen. Für die weniger als 10 % macht man ein Aufwand, lässt es zu, dass der gute Ruf Dresdens, jetzt auch Sachsens geschädigt wird und wird unentwegt angesprochen, auf welcher Seite man stünde. Das ist alles absurd, da es wenig konstruktiv ist. Im Bundestag wurde beschlossen, dass Asylverfahren beschleunigt, Kommunen entlastet und notwendige Abschiebungen konsequent durchgeführt werden. Dass Kriegsflüchtlinge ein berechtigtes Asylrecht haben, ist wohl allen klar, dass sie Unterstützung bei der Integration brauchen sicherlich auch. Also streitet nicht rum, sondern zeigt Courage und helft gemeinsam bei der Bewältigung notwendiger Aufgaben. Sachsen verliert auf Grund demographischer Entwicklungen ca. 30.000 EW pro Jahr, also kommt es darauf an, Flüchtlinge dezentral zu integrieren, auszubilden und im Arbeitsprozess einzugliedern. Auf diesem Weg lernen sie unsere Kultur, unsere Werte und Gesetze kennen und zu respektieren. Das wäre eine gute Presse für Journalisten und mal Zeit über gute Dinge zu berichten. Ein großer Teil von Pegida Anhängern wollen doch nur nicht Verhältnisse wie in westdeutschen Großstädten und Westberlin, wo sich Parallelgesellschaften gebildet haben, die heute nicht mehr zu kontrollieren sind. Das liegt aber in unser aller Hand, darauf zu achten und Einfluss zu nehmen.
    Ich möchte, dass es wieder Spaß macht hier zu leben, Freude macht die Zeitungen aufzuschlagen, sich Journalisten wieder wohl und sicher fühlen um weiter objektiv berichten zu können, was uns Bürger interessiert und unsere Kinder eine Welt voller Perspektiven übernehmen, wie wir diese von unseren Eltern übernommen haben.

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