Motorrad

MZ-Motorräder als Taxis in Havanna

Kuba
Ein Taxifahrer mit seinem MZ-Motorrad im Stadtviertel La Palma (Havanna). Foto: Jose Goitia/dpa

Zschopau/Suhl/Havanna (dpa/cs). Juristisch nicht ganz einwandfrei ist der Service, den Jorge mit seiner MZ TS 250, Baujahr 1983, im Stadtviertel La Palma im Süden von Havanna anbietet. Der 24-Jährige nutzt sein Zschopau-Bike als Taxi, für eine Fahrt nimmt er umgerechnet etwa einen US-Dollar. Zwar ist seine Dienstleistung offiziell verboten, aber gebraucht wird sie dennoch. Denn das öffentliche Transportwesen im Karibikstaat ist seinen Namen nicht wert. Das berichtete gestern die Deutsche Presseagentur (dpa) in einer Reportage aus Kuba. Thema: Tausende ostdeutsche Zweiräder sind auf der „roten Insel“ derzeit noch im Einsatz, MZ-Motorräder und Mopeds aus Suhl.

Hintergrund des Berichts ist ein Aufsatz, den der kubanische Diplomingenieur  Manuel Torres zusammen mit dem deutschen Autor Falk Heinrich veröffentlicht hat. Torres, der vor rund 50 Jahren in Dresden studierte, wandelte mit Heinrich auf den Spuren der DDR in Kuba. Fast ein Vierteljahrhundert nach seiner Auflösung wirkt der ostdeutsche Staat heute noch merkwürdig lebendig auf der Karibikinsel, haben sie festgestellt. Am deutlichsten ist die Präsenz der DDR demnach am Straßenbild Havannas und anderer Städte zu erkennen. Dort fahren heute noch Zehntausende alte DDR-Fahrzeuge. Das langjährige US-Wirtschaftsembargo und andere Einfuhrrestriktionen haben aus Kubas Straßen eine Art lebendiges Museum für hochbetagte Motoren gemacht. Neben US-amerikanischen „Oldtimern“ findet man Wagen russischer oder polnischer Hersteller – und manchmal sogar Wartburgs oder Trabants aus DDR-Fabrikhallen. Der Renner sind aber die MZ-Motorräder. Die Zweiräder aus dem sächsischen Zschopau kamen bis in die 1990er Jahre hinein auf verschiedene Art und Weise nach Kuba. Viele von ihnen leisten heute ihren Dienst sogar als öffentliche Verkehrsmittel. Eines dieser Zweiradtaxis ist die MZ des 24-jährigen Jorge.

Santiago de Cuba im Osten des Landes, die zweitgrößte Stadt der Insel, gilt als MZ-Hochburg. Dort haben sich die Behörden offenbar dazu durchgerungen, den Einsatz von Motorrädern als öffentliche Verkehrsmitteln doch zu erlauben. 16000 Zweiräder soll es dort geben, die Hälft davon könnte von MZ stammen, schätzt der Kubaner Wilmenes Obregón, der zwischen 1991 und 2002 selbst mit seiner MZ als Taxifahrer unterwegs war. Gekauft hat er sie während seiner Ausbildung zum Dreher in Magdeburg zwischen 1979 und 1985…

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