Dresden / Weltanschauliches

Ein Bild auf langer Reise

Foto KolomnaDresden/Kolomna (cs). Wenn Bilder sprechen könnten… Dieses Foto berührt mich sehr. Es zeigt Maria Romanova aus Moskau (l.) mit einer Mitarbeiterin eines Kinderheimes in Kolomna, einer Stadt rund 110 Kilometer südöstlich von Moskau. Dort sind zur Zeit Gäste aus Dresden zu Besuch – drei Mitstreiter der Moskau-Gruppe, die in der Superintendentur Dresden-Mitte aktiv ist und Kontakt pflegt zur zentralen (Moskauer) Propstei der Evangelisch-Lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER). Das Kinderheim in der Stadt am Zusammenfluss von Moskwa und Oka ist sozusagen ein Außenposten der Propstei und zugleich eine Einrichtung, die jetzt zum ersten Mal ins Besuchsprogramm einer Dresdner Gruppe aufgenommen wurde. Das allein ist schon bemerkenswert.

Doch noch mehr berühren mich die Gastgeschenke, die den Kindern mitgebracht wurden. Maria Romanova hält einen noch original verpackten Herrnhuter Stern in den Händen, den wir in Dresden gekauft haben. Und die Kinderheim-Mitarbeiterin zeigt  ein Glasbild, das ich bestens kenne. Es hing vor vielen Jahren in „unserem“ Dresdner Kinderzimmer zwischen zwei Doppelfenstern zur Weißenberger Straße hin. Gefertigt hat es der Klotzscher Künstler Manto Sillack (Jahrgang 1946), dem ich heute von der wundersamen Reise des Glasbildes berichtet habe. „Das gehörte zu einer Kinderserie“, erinnert sich Sillack, genau dieses Bild sei wohl Ende der 70er entstanden.

Von Bühlau ging das Glasbild 1985 mit auf die Reise über die deutsch-deutsche Grenze nach Stuttgart, später reichlich 60 Kilometer weiter nach Sulz/Renfrizhausen. Von dort kehrte es vor etwa elf Jahren nach Dresden zurück. 2003 bekamen es meine Lieblingszwillinge geschenkt. Fortan tanzten die zwei Marienkäfer in einem Fenster ihrer Altbauwohnung in der Johannstadt, bevor sie 2005 nach Pieschen umzogen. Ihre Dresdner Zeit beendeten die Käfer unter der gelben Sonne schließlich in einer Laubegaster Wohnung. Dorthin sind sie 2007 gemeinsam mit den Zwillingen umgezogen.

Und nun tanzen sie in Kolomna. Vor einem knappen halben Jahr habe ich das Glasbild zurückbekommen. Meine Lieblingszwillinge waren aus dem Alter heraus, in dem sie die hübsche Arbeit von Manto Sillack im Zimmer haben wollten. Ich habe das Bild Vera Taksch aus Smolensk und Ivan Shirokov aus Jaroslawl mitgegeben, als sie im Frühsommer in Dresden zu Besuch waren. Mit dem Ziel, dass es vielleicht nach Kolomna gegeben werden könnte. Dann habe ich das Bild vergessen.

Bis heute. Bis ich das Glasbild aus Klotzsche dank Facebook in Kolomna entdeckt habe. Dort ist es gestern angekommen. Ich wünsche ihm, dass es nun recht lange bei den russischen Kindern bleiben kann und die Marienkäfer künftig wieder in einem schönen, sonnigen Fenster tanzen dürfen.

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