Fotos / Medien

Zu verschenken!

„Um jeden Meter“ heißt diese Aufnahme von Günter Krause aus dem „Fotojahrbuch 1962“ der DDR.

„Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ lautet eine heute gelegentlich unterschätzte Binsenweisheit aus dem Zeitungsgeschäft. Mit Bildern kann man folglich viel sagen und genau das haben sich schon immer Meinungsbildner zunutze gemacht. Sozialistische Fotokunst war deshalb ein Teil sozialistischer Kultur, wie 1961 der Publizist Gerhard Henniger schrieb, der fünf Jahre später Erster Sekretär des Schriftstellerverbandes der DDR wurde. Henniger verfasste damals das Vorwort zum Fotojahrbuch 1962 des VEB Fotokinoverlag Halle. Es hat die Überschrift „Ein Beitrag zur sozialistischen deutschen Fotokunst“.

„Jedes Foto ist zugleich Ausdruck der gesellschaftlichen Position und des Bewußtseins des Bildautoren“, stellt er fest und das gilt gewiss bis heute. Dann kommt der Passus, der zeigt, dass Henniger ganz und gar von Marx, Lenin und den sozialistischen Lehren durchdrungen war. Sie liest sich wie eine Bewerbung um den Posten im Schriftstellerverband. Die sozialistische Fotokunst erfordere, „alle Bereiche unseres Lebens von der Position des Sozialismus, von der Position und mit den Augen des Menschen, der dieses neue Leben bewußt gestaltet, zu sehen und zu durchdringen, zu erfassen und vor allem fotokünstlerisch überzeugend zu verarbeiten“, heißt es da. Das rund 200 Seiten starke Buch zeigt tolle Fotos und eben sozialistische Propaganda und enthält dazu noch einen Bericht „Aus der Arbeit einer sozialistischen Bildagentur“, verfasst von Hans Quaschinsky, damals Bildreporter bei ADN-Zentralbild.

Auch Sportbilder sind darin zu finden und wenn man bedenkt, welche technischen Möglichkeiten die Kollegen damals hatten, dann wächst die Achtung vor ihrer fotografischen Leistung. Und man hofft ab und an, dass sie vielleicht manchmal gar nicht die „Position des Sozialismus“ vertreten wollten bei ihrer Arbeit, dass es ihnen vielmehr darum ging, einfach nur gute Fotos zu schießen.

  • Das Fotojahrbuch 1962 sollte eigentlich ins Altpapier – jetzt wird es hier verschenkt. Wer es haben will, bekommt es für eine Flasche trochenen Weißwein. Kommentar hier oder Mail an c.springer[ät]dnn.de genügt.

 

Ein Kommentar

  1. lieber herr springer!

    auf der suche nach einem leider nicht mehr greifbaren buch von gerhard henninger ( „für eine sozialistische deutsche fotokunst“) bin ich bei ihnen gelandet und habe ihr angebot gefunden. sind wohl schon zwei monate vergangen, aber wer weiß…
    wenn sie das fotojahrbuch 1962 noch zu vergeben haben: ich würde mich sehr darüber freuen und als österreicherin könnte ich auch mit gutem trockenen weißwein dienen! (mögen sie den wirklich lieber als rotwein, wohnt denn auch in dem weißen die seele des weines??)
    ich bin, wiewohl schon längstlängst dem schulmädchenalter entwachsen, schülerin der prager fotoschule und schreibe an meinen abschlussarbeiten theoretischer natur. dabei befasse ich mich gerade mit gerhard rühl, der 1959 ein buch zur fotografischen gestaltung geschrieben hat, ideologisch stark eingefärbt- so wohl auch gerhard henninger ( zwei gerharde am werk…)
    liebe grüße aus salzburg nach dem schönen dresden, in dem wir vor ein paar jahren eine woche auf urlaub waren.
    in gohlis, nahe der windmühle, bei sehr netten gastgebern…
    ah, ich liebe eure sprache!

    gunda strasser

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